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Die Geschichte des Musikvereins Landscheid von 1890 – heute

Vorgeschichte von 1890 – 1965

Schon sehr früh wurde in Landscheid gemeinsam musiziert, wie ein F oto aus dem Jahre 1890 dokumentiert. Es waren vor allem einige “Musikantenfamilien” aus denen über Generationen Musiker hervorgingen. Um die Jahrhundertwende waren als Musiker in Landscheid folgende junge Männer bekannt: Johann Monshausen (Kepecher); Matthias Leisch (Naubes) Vater von Naubes Hanni, Mattes und Pit; Alexander Leisch (Pinnen) Vater von Jakob, Mattes, Peter und Kaspar; Peter Leisch (Kohlen Pit); Matthias Pech (Bielen Schoster); Josef Klein (Schangen). So wuchsen immer wieder neue Talente heran, die damals schon das kulturelle Leben im Dorf prägten. Ehemalige akti ­ve Militärmusiker blieben der Blasmusik treu.

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg kamen die Söhne und Enkel der Genannten dazu; besondere Erwähnung verdienen Johann Kranz und Familie, Balthasar Follmann, Jakob Leisch,

Josef Neumann und Matthias Monshausen. Es bildeten sich Gruppen für Unterhaltungs- und Tanzmusik. Traditionell wurde an Fastnacht, zur Kirmes, zum Sommerfest der Feuerwehr oder des Kirchenchores im Freien aufgespielt.

Die Landscheider Tanzkapelle war weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt, ob in Meerfeld, Oberkail, Meisburg oder Badem, um nur einige Orte herauszugreifen. Zu den Auftritten ging es zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Dabei wurde durchaus nicht ausschließlich mit Blasinstrumenten musi­ziert. Die meisten Musikanten beherrschten daneben noch Violine, Streichbass oder Akkordeon.

Wie überall schlugen die Weltkriege schwere Wunden. Manche kehrten nicht heim. Doch die Härte und Bitterkeit dieser Zeiten mussten überwunden werden, und bald nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Volksmusik in Landscheid weiter gepflegt, vor allem durch Mitglieder der ge­nannten Familien. Im Jahr 1953 gründete die Freiwillige Feuerwehr einen Musikzug. Am 8. August 1953 wurden die Satzungen festgelegt und neue Instrumente gekauft. Fortan gestaltete dieser Musikzug das kulturelle Leben des Dorfes bei allen kirchlichen und weltlichen Anlässen. Ab 1960 wurden im größeren Rahmen Jugendliche an Instrumenten ausgebildet. An den Kreisjugendmusiktagen 1963 traten die Landscheider Jungmusi ker in Wittlich zum ersten Mal auf. Leiter des Musikzuges war Matthias Monshausen.

Finanzielle und organisatorische Gründe bewogen die Freiwillige Feuerwehr, den Musikzug am 27.12.1964 aufzulösen. Gleichzeitig gab man dem Wunsch nach der Gründung eines eigenständigen Musikvereins Ausdruck und sagte bestmögliche Unterstützung zu. So sollten die vorhandenen Instrumente kostenlos zur Verfügung ge­stellt und im ersten Jahr die Dirigentenkosten übernommen werden.

Geschichte ab 1965

Die Geburtsstunde des Musikvereins Landscheid schlug im Februar 1965, nachdem im Jahr zuvor der bis dahin zur Freiwilligen Feuerwehr gehörende Musikzug aufgelöst worden war.

Als „Startkapital“ überließ die Feuerwehr dem neugegründeten Verein alle vorhandenen Instrumente und übernahm außerdem die Dirigentenkosten im ersten Jahr. Der Vorstand um den Vorsitzenden Paul Thiel setzte sich aus Willy Feltes als zweitem Vorsitzenden, Schriftführer Hubert Föhr, Kassenwart Manfred Böhm und Notenwart Adolf Kranz zusammen. Als Dirigenten verpflichtete man Klaus Hotz aus Wittlich.

Die ersten aktiven Musiker waren: Bernhard Backes, Adolf Kranz, Werner Kranz, Axel Burkel, Hubert Föhr, Manfred Böhm, Ernst Dietz, Hans Assmann, Theo Kranz, Hermann und Rudi Dietz, Karl-Heinz Brandenburg, Franz-Josef Esch, Franz Follmann, Walter Feltes, Roman Dietz, Matthias Follmann, Manfred Hendle, Albert Dietz, Hans Kolb und Hermann-Josef Föhr.

Mit dem Gründungsfest im August 1965 schaffte sich der Verein Anerkennung im Ort und eine finanzielle Basis.

In der folgenden Zeit traten viele Jugendliche, auch aus dem Ortsteil Burg/Salm, in den Verein ein. Bis heute setzt er sich aus Musikanten dieser beiden Ortsteile zusammen.

Ab dem Frühjahr 1969 dirigierte ein gebürtiger Landscheider, der Küster und Chorleiter Hermann Heinz aus Oberkail, das Orchester. In diesem Jahr wurde auch erstmals dem Wunsch der bis dahin ausschließlich männlichen Musiker entsprochen, auch Mädchen aufzunehmen.

Die ersten Musikerinnen waren: Annemie Leisch, Marlies Muckhoff, Marlies Kranz, Erika Pontius, Hildegard Follmann, Gerdi Kalfels und Vera Kollay.

Die 70er Jahre waren geprägt von zahlreichen Auftritten bei örtlichen Anlässen und auf Festen befreundeter Vereine. Zu den Höhepunkten dieser Zeit gehören das große Musikfest 1972, das Heimatfest aller Vereine mit vielen Stars 1973, die Umrahmung des Schützenfestes in Richrath-Langenfeld, der Kreisjugendmusiktag in Landscheid und das eigene Musik- und Heimatfest mit den „Wurmtalern“ 1975. Auf dem SUKI-Firmenjubiläum im Mai 1976 war es für die einheimischen Musikanten eine besondere Herausforderung, vor dem Orchester „Hugo Strasser“ zu musizieren.

1974 formierte sich eine volksmusikbegeisterte Gruppe, die Freizeitmusikanten, die zehn Jahr lang unter der Leitung von Hubert Föhr bei zahlreichen Festen in der Umgebung für Stimmung sorgte.

Die Gründung des Landscheider Bürgerschützenvereins im September 1976 und die Gestaltung des Gründungsfestes wären ohne den Musikverein kaum denkbar gewesen. Die mehrtägigen Feiern der Schützen mit viel Marschmusik und Paraden haben seitdem ihren festen Platz im Jahresprogramm.

Von Ende 1976 bis Sommer 1980 leitete Rudolf Gierden aus Wallscheid den Musikverein. Anschleißend dirigierte mit Hubert Föhr erstmals ein aktives Mitglied das Orchester, bis man im Mai 1981 Harald Weingärtner verpflichten konnte.

In den folgenden Jahren wurden Anregungen aufgegriffen und Neues erprobt, wie das vorweihnachtliche Kirchenkonzert (seit 1981), das Turmblasen und das Weihnachtsliederspielen an Heiligabend (seit 1986), sowie die Gestaltung der Christmette – Anlässe, die bis heute fester Bestandteil des heimischen Jahresablaufes sind.

Zu ihrem 100jährigen Jubiläum im Jahre 1986 wurde der Freiwilligen Feuerwehr aus besonderer Verbundenheit ein von Dirigent Harald Weingärtner komponierter Marsch gewidmet, der „Landscheider Marsch“, der beim Stiftungsfest uraufgeführt wurde.

Von 1986 bis 1997 veranstaltete der Verein die Musikparade an Ostern, zu der renommierte Gastvereine aus der Nachbarschaft, wie die Musikvereine aus Wolsfeld, Altrich, Manderscheid und Pronsfeld, aber auch des überregionalen Raumes wie zum Beispiel aus Luxemburg, Koblenz, Bockenau oder Westernach im Allgäu sich ein musikalisches Stelldichein gaben. Das Niveau der Konzertabende veranlasste auch viele Musiker aus der Umgebung zum Besuch.

Gegenbesuche mit Auftritten zum Beispiel auf der Kirmes in Stadtgrund in Luxemburg, dem Dorffest in Wolsfeld oder dem Oktoberfest in Bockenau waren für die Aktiven neben dem Musizieren auch willkommener Grund zum gemeinsamen Feiern.

Im Sommer 1987 übernahm mit Eugen Gratzer ein sehr erfahrener Musiker und Dirigent den Verein.

1990dorffest

Dorffest Mai 1990 mit Eugen Gratzer

 

In dieser Zeit bereicherten auch amerikanische Freunde die Besetzung.

Der Große Zapfenstreich, bisher als Höhepunkt des Schützenfestes ausschließlich von Gastvereinen vorgetragen, wird seit dieser Zeit vom einheimischen Orchester gespielt; so auch 1990 beim großen Schützenfest in Bad Sassendorf in Westfalen oder bei anderen feierlichen Anlässen in Nachbarorten.

Dem Zeitgeist der 80er Jahre folgend, veranstaltete der Musikverein, wie die meisten anderen Vereine, im Januar jedes Jahres ein Preiskegeln auf der Kegelbahn im Gasthaus Komes, um mit dem Erlös die Vereinskasse ein wenig aufzubessern.

Von Mai 1991 an dirigierte Jochen Hofer aus Hetzerath den Verein, Eugen Gratzer bildete weiterhin die Jugendlichen aus. Ein gemeinsames Probewochenende mit den Musikern aus Hetzerath in Daleiden im Frühjahr 1992 trug neben dem musikalischen Fortschritt auch sehr zur Förderung der Kameradschaft bei. In gemeinsamen Konzerten mit dem MV Hetzerath am 2. Weihnachtstag und an Ostern wurden die Ergebnisse präsentiert.

7. Landscheider Musikparade mit Jochen Hofer

7. Landscheider Musikparade mit Jochen Hofer

Seit 1990 veranstaltet der Verein als jährlichen Höhepunkt einen Konzertabend. Hier hat das Orchester Gelegenheit, in der Ruhe einer reinen Konzertveranstaltung ohne den üblichen Festlärm, die Früchte einer oft monatelangen Vorbereitung zu präsentieren. Bis 1996 wurde das Jahreskonzert im Herbst aufgeführt, seit 1998 findet es an Stelle der Osterparade im Frühjahr statt. Zur Bereicherung der Veranstaltung trugen in der Vergangenheit neben befreundeten Blasorchestern auch andere Gruppen, wie die Tanzgruppe des Landscheider Karnevalsvereins im Jahr 1999, die Dudeldorfer Dudelsackbläser 2001, die Männergesangsvereine aus Pantenburg und Minderlittgen-Hupperath 1999 und 2003 oder das Mittelmosel-Akkordeon-Orchester 2002 bei.

1991 erschien erstmals ein von Walter Feltes gestalteter Kalender unter dem Titel „Bilderbogen“, der dazu diente, die finanzielle Situation des Vereins aufzubessern. Zwei weitere Kalender, die Landscheider Mühlen und Wegekreuze zeigten, wurden in den Jahren 1993 und 1995 veröffentlicht. Auch für 2006 ist wieder ein solcher Kalender geplant.

Seit Mai 1993 ist Dieter Fröhlich Leiter unseres Vereins und unterrichtet auch die Jugendlichen. Zu den Höhepunkten seines Wirkens in Landscheid gehören neben den Jahres- und Kirchenkonzerten die Aufnahme für die Musik-Kassette „Wittlicher Land“ (1994), die Teilnahme am Biedenkopfer Grenzgang (1998), Besuche bei unseren Musikfreunden in Bockenau (1997 und 1999), unser erstes Oktoberfest gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Landscheid (2003) und im vergangenen Jahr sowohl das Vatertagsfest in Diersheim/Baden als auch die 750-Jahr-Feier in Biedenkopf.

Ein besonderes musikalisches Highlight war die Teilnahme am Wertungsspielen im Mai 1996 in Wittlich: In der Mittelklasse wurde das Orchester für die Titel „Salute“ und „Concerto d’Amore“ mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet.

Neben dem Jahreskonzert, dem Kirchenkonzert und den Auftritten bei befreundeten Vereinen gehört die Begleitung von kirchlichen (Prozessionen, Pfarrfest, Weihnachten) und weltlichen Anlässen (von Karneval über Schützenfest und Goldene Hochzeiten bis zu Martinszügen) innerhalb des Dorfes weiterhin zu den selbstverständlichen Aufgaben des Musikvereins; so treffen sich beim Weihnachtsliederspielen am Heiligabend jedes Jahr über 250 Zuhörer in der Dorfmitte und lassen sich, bei Tee und Glühwein, auf das Fest einstimmen.

Frühlingskonzert 1999 mit Dieter Fröhlich

Frühlingskonzert 1999 mit Dieter Fröhlich

Zur Zeit besteht der Verein aus 48 aktiven Musikern, daneben befinden sich 23 Jugendliche in Ausbildung. Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Musikern ist ganz ausgeglichen, beide Geschlechter haben einen Anteil von 50%. Dadurch, dass die Jugendlichen so stark vertreten sind – fast 1/3 der Aktiven ist unter 18 Jahren alt – liegt unser Altersdurchschnitt derzeit bei 25,2 Jahren.

Neben den aktiven Musikern gibt es fast 140 Fördermitglieder, die den Verein nicht nur durch ihren Jahresbeitrag, sondern auch durch ihre Mithilfe bei der Ausrichtung von Festveranstaltungen unterstützen. Als „Dankeschön“ organisiert der Vorstand jedes Jahr einen Ausflug für die Helfer; so ging es in diesem Jahr zum Beispiel nach Trier in das Theaterstück „Ladies` Night“. Außerdem laden wir seit 1999 die inaktiven Mitglieder am letzten Augustsonntag zu unserem „Landscheider Grenzgang“ ein, bei dem wir bereits früh morgens mit Blasmusik durchs Dorf ziehen und anschließend zu einem Frühstücksplatz wandern, um uns dort zu stärken. Nach der Rückkehr findet auf dem Dorfplatz ein gemütliches Beisammensein statt, das durch uns musikalisch begleitet wird.

Seit 1992 werden die Inaktiven durch die Vereinszeitung „Das Signälchen“ über die Gsignaelcheneschehnisse im Verein auf dem Laufenden gehalten.